![]() Der Palast der vereinigten Arabischen Emirate |
Über die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover gibt es einen Wust an Informationen jeglicher Art. Um Ihnen das Durchforsten zu ersparen und Ihnen als Besucher der gigantischen Schau ein paar Anregungen zu geben, wie Sie sich innerhalb von einem, zwei oder drei Tagen fix die „Rosinen“ herauspicken können, sind wir für Sie vier Tage durch die Pavillons und Hallen gestreift und haben dabei auch auf (funk)technische Exponate geachtet. Denn für uns liegt die Expo ja direkt vor der Haustür. |
| TiPP: Über Bündelfunk im Bereich um 423 MHz werden gelegentlich die Wartezeiten vor den Pavillons durchgegeben! |
Dritter Tag: Hoch hinaus
im Holland-Pavillon
Nach einem Tag Pause (wg. Regen und müder Beine) geht es am 8. Juni bei Sonnenschein wieder auf das Expo-Gelände. Diesmal steht das Pavillongelände Ost auf dem Programm, das ideal mit den U-Bahn-Linien 6, 11, 14 (ab Bahnhof Karl-Wiechert-Alle) und 16 zu erreichen ist. Erstes Ziel: der hochgelobte Pavillon der Niederlande, dessen Konzept auf einer Stapelung von Landschaften beruht. Motto: Holland schafft Raum (für die Natur). Schon gegen 10 Uhr misst die Warteschlange rund 100 Meter. Oben angekommen, auf 36 Meter Höhe, eröffnet sich ein herrlicher Ausblick weit in die abwechslungsreiche Landschaft und über das ganze Expo-Gelände. Auf dem Dach warten moderne Windmühlen auf ein Lüftchen. Die Menschen staunen über die Wasserlandschaft hier oben ebenso wie über den Wald in der vierten und die Blumen mit Monitor-Bienen in der zweiten Etage. Zwischendurch Multimediales über Land und Leute. Ein Pavillon, der viel Abwechslung bietet, aber weder Käse noch Tulpen. Gleich nebenan einer meiner Lieblingspavillons: Finnland empfängt
mit wunderschönen, witzigen, farbenprächtigen und liebevoll gemalten
Szenen, für deren Betrachtung man sich etwas Zeit nehmen sollte. Figuren
in der Sauna, Handys (natürlich von Nokia) als lustige Lebewesen;
anschließend geht's durch einen Birkenwald in die Halle der Wirtschaft,
danach folgt ein stiller Raum mit Vogelgezwitscher und Schmetterlingen in
einer idyllischen Seenlandschaft. Und am Ende sollte man unbedingt die
leckeren Piirakka (Piroggen) probieren (5 Mark), vielleicht mit einem
Lapin Kulta, einem Bier aus Lappland (6 Mark). Wasser und Wind sind die Hauptthemen im gestalterisch gelungenen dänischen
Pavillon, wo wir lernen, dass nur 0,007 Prozent des Wassers auf der Erde
trinkbar ist. "Mensch, Natur, Technik", das Motto der
Weltausstellung, wurde hier besonders gut umgesetzt. Die Abteilung
"Der spielende Mensch" mit ihren phantasievollen Lego-Kreationen
dürfte nicht nur für die Kinder interessant sein. Architektonische Perle: Ungarns Pavillon
Als nächstes folgt der ungarische Pavillon, eine architektonisch-ästhetische
Meisterleistung mit außerordentlich gelungenen Präsentationen aus
Geschichte und Gegenwart des Landes. Der Film macht richtig Lust, Ungarn
einmal zu bereisen. Die "Gebäudeplastik" mit dem bewachsenen
Dach ist innen und außen mit Tannenholz verkleidet und bleibt nach der
Expo stehen. Portugal empfängt den Besucher in einer lichtdurchfluteten
Halle, wo im Breitbildformat zu entspannender Musik ein hinreißender Film
über das Land gezeigt wird. Nette Geste an müde Besucher sind die
Pappschachtel-Stühle. Nun folgen die drei Baltik-Staaten Estland, Litauen und Lettland. Das
Yellow Submarine der Litauer ist im Innern dunkel und riecht nach dem
schwarzen Gummiboden. Estland lässt unter dem gläsernen Fußboden eine
Ebene mit dicken Steinen an Stahlseilen auf und ab gleiten. Im gleichen
Rhythmus bewegen sich auf dem Dach Riesen-Mohrüben (mit Kraut aus
Fichten). Architektonisch ganz reizvoll. Bei Lettland bleibt das schöne
Reetdach sicher im Gedächtnis haften. Und beim Wal, dem Pavillon der
Hoffnung und Wahrzeichen der Expo, sind es sicher die optimistische
Stimmung und das Engagement der Kinder und Jugendlichen, etwas für eine
bessere Welt und deren in vielen Ländern arg leidenden Kinder zu tun. Tipp: Im Wal gibt's einen großen Kaffee schon für 3,50 Mark und
ein Essen ab 13,90 Mark - vergleichsweise preiswert. Wer sich wundert, dass das Riesenrad am Ende des 12. Boulevards
fast unbesetzt fährt, sollte sich mal das Preisschild anschauen: zehn
Mark pro Person! Dann doch lieber kostenlos an den See setzen und die
Stille in dieser Ecke des Geländes genießen. Geballtes AngebotAuf dem Rückweg geht es entlang des 10. Boulevards Schlag auf Schlag:
die Vereinigten Arabischen Emirate mit orientalischem Basar, echtem Wüstensand,
Kostproben aus Küche und Wasserpfeife sowie einer interessanten
Ausstellung. Danach Italien mit einer Technikschau (Leonardo da Vincis
technische Zeichnungen und Entwürfe, blauer Ferrari, Lancia-Zukunftsauto
u.v.m.). Monaco erfordert dank vieler Treppen gute Beinarbeit, die aber die schöne
Aussicht, u.a. auf zwei festgemachte Luxusyachten im eigens angelegten
Hafen, lohnt. Aussagekräftige Videoschau. In einer 3-D-Präsentation wird
das Leben im Meer dargestellt, speziell das Plankton. Richtiges Wasser auch bei Kroatien, dem blauen Pavillon, in dem ein fröhlich-schwungvoller
Film zu einem Besuch des Landes aus dem ehemaligen Jugoslawien einlädt.
Wunderschöne Landschaften dürften vielen die Entscheidung erleichtern. Und noch einmal der Orient: Mit einem mächtigen Palast lockt der Jemen
Scharen von Besuchern an. Auch hier ein orientalischer Basar, authentische
Architektur und ein Ambiente, das gut das Lebensgefühl des Orients
vermittelt. Belgien bietet nicht nur einen guten Gag in der Eingangshalle, der natürlich
nicht verraten wird, sondern etwas, das wir sonst nirgends gefunden haben. Tipp: Im belgischen Pavillon gibt's kostenlos eine Probe belgischen
Bieres der Marke Duvel. Hopfenstark! Irlands Pavillon wird von einer schwarzen Kalksteinwand und vier Türmen
mit künstlerischen Installationen dominiert. Geschichte und Kultur des
Landes werden eingängig vermittelt. Nette Selbstironie: Wer seine
Hand in einen Schlitz steckt, bekommt einen Eindruck vom typischen
irischen Wetter: Regen. Überhaupt spielt das Wetter (und das Meer) für
Irland eine wichtige Rolle, bekommt dieses sympathische Land doch, wie
eine Videowand mit Wolkenkino zeigt, die atlantischen Tiefs meist zuerst
ab. Vierter Tag: Eine Reise durch die Zeit
Wer sich für alternative Energien und nachhaltige Wirtschaft
interessiert, sollte einen Blick ins Global House (neben dem
Deutschen Pavillon) werfen. Dort ist u.a. eine Solarfähre zu sehen.
Solche sonnengetriebenen Wasserfahrzeuge sind bereits am Bodensee, in
Hamburg und ab Juli in Hannover im Einsatz. Frankreich gibt u.a. einen Einblick in die europäische
Raumfahrt und zeigt Modelle der Trägerrakete Ariane 5 und des Meteosat.
Dort kann man sich außerdem vom Stand der Entwicklung des
dreidimensionalen Fernsehens ein Bild machen. Die Allioscopy von Pierre
Allio zeigt aber auch, dass es bis zur Serienreife noch ein weiter Weg
ist. Gute Inszenierungen mit Licht und Geräuschen bleiben nach dem Besuch
dieses riesigen Pavillons im Gedächtnis. Wer mal die Lucy sehen möchte, sollte den äthiopischen
Pavillon besuchen. Dort begrüßt ihn das versteinerte Skelett der vor 3,2
Millionen Jahren verstorbenen Dame, das 1974 ausgegraben worden ist. Draußen
duftet es nach Kaffee, der über einem offenen Feuer geröstet wird. Gegenüber donnert ein Wasserfall. Darunter verbirgt sich der Eingang
in den silbern glänzenden Pavillon Norwegens. Die Besucher
verharren in einem Raum der Stille und warten irritiert, dass etwas
passiert. Tut sich aber nichts! Es ist nichts zu hören als hin und wieder
das Geräusch eines Steines, der eine Felswand hinabrollt. Botschaft: Ohne
Geräusche keine Stille! Im riesgigen Pavillon des Vereinigten Königreiches von Großbritannien
kann der Besucher durch Körperbewegungen und das Auslösen von Fußsensoren
selbst Musik erzeugen. Einer der seltenen Augenblicke, wo die Expo-Gäste
mal selbst aktiv werden können. Spanien zeigt, wie man's nicht machen soll und verärgert viele
seiner Besucher. Diese werden nach längerem Anstehen durch fünf (!)
Video- bzw. Diaschauen geschleust. Aus letzterer flüchten die meisten
schon nach 30 Sekunden. Schade! Denn die Botschaft "Die Zerstörung
der Natur ist die Zerstörung unserer selbst", wie sie im ersten Film
vermittelt wurde, wird dadurch wieder verschüttet. Vielleicht bleiben ja
doch noch die schönen Bilder aus Spaniens Nationalparks im Gedächtnis. Tschechien führt seine Gäste durch eine Kathedrale. Im nächsten
Raum ist ein mächtiger Turm aus Tausenden von Büchern aufgebaut, in
dessen Innerem sich Spiegel drehen. Polen lädt u.a. in ein
Salzbergwerk ein, die Schweiz lässt ihre Gäste in einem riesigen
Labyrinth herumirren. Eine Gelegenheit zum Ausruhen bietet die Europäische Union. Ein
fünfminütiger Film zeigt die Geschichte der EU. Gag: Die Besucher sitzen
in einem Simulator, der ihnen das Gefühl vermittelt durch Zeit und Raum
zu fliegen. Alte Radios und Fernseher, Fahrzeuge aus den 50er Jahren,
Filmprogrammhefte. Ja, und dann sind da noch die vielen Hallen mit den Ländern aus
Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika und Kanada. Die
Nordamerikaner bieten übrigens die eindrucksvollste Multimediaschau aller
Nationen: ein überwältigendes Sound- und Bildergewitter, Wasserspiele
und Lasereffekte. Das Thema der Expo "Mensch, Natur, Technik"
wurde hier auf besonders ungewöhnliche Art umgesetzt. Ein schöner
Abschluss unseres Expo-Besuchs. Fazit: Die bunte Weltschau bietet jedem etwas. Man muss nur das
finden, was den eigenen Interessen entspricht, sollte aber unbedingt
bereit sein, Neues zu entdecken. Eine Vor- und Nachbereitung anhand von
Expo-Führern und mitgenommenen Prospekten empfiehlt sich auf jeden Fall
zum besseren Verständnis. Ich hoffe, unser Rundgang kann ihnen bei der
Auswahl ihrer Ziele ein wenig helfen. |
![]() Lustig: Die Karten von schwedischen Kindern - Swedish Design im Schweden-Pavillon
3,2 Millionen Jahre alt: Das versteinerte Gerippe der Dame Lucy ist im äthiopischen Pavillon ausgestellt
Astronomisches Instrument aus der Antike im Pavillon Griechenlands: der Rechner von Antikythera
China zeigt u.a. Einblicke in sein Raumfahrtprogramm.
Vor Halle 2 steht das Jugend-Laboratorium von DaimlerChrysler, wo es Technik zum Anfassen und Ausprobieren gibt - hier eine Wärmebildkamera
Ebenfalls im Lab.001: The Speed of Sound - wie lange braucht ein Ton durch einen 170 Meter langen Kunststoffschlach.
Internationale Raumstation im Themenpark (Wissen)
Russischer Satellit METEOR in Halle 17 Stand Russlands). Dort ist auch die MIR zu sehen, natürlich als Modell
Raumstation MIR
Das geplante europäische Großraumflugzeug
Orient live: Yemens Pavillon lohnt auf jeden Fall einen Besuch
Tschechien: ein ganzer Raum aus Büchern
Holz - das Material der Zukunft. Im Themenpark geht es um die Nachhaltugkeit der Wirtschaft, also: nur so viel ernten, wie auch nachwächst.
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Dort finden Sie auch jede Menge Informationen rund um die Weltausstellung. Achten Sie auf Sondertarife!